Experten raten der Gemeinde Hüllhorst von der Umstellung auf Eigenreinigung ab Projekt Putzkommando 

Hüllhorst (WB). Wischen, bohnern, saugen: Das Vorhaben der Gemeinde Hüllhorst, in den Grundschulen und in der Gesamtschule von Fremd- auf Eigenreinigung umzustellen, hat am Mittwoch einen Dämpfer hinnehmen müssen. Experten einer Fachfirma rieten dazu, den Plan aufzugeben: »Das geht nicht per Fingerschnipps!« 

Von Kai Wessel

Die Gemeinde Hüllhorst denkt darüber nach, eigene Reinigungskräfte einzustellen, um die Sauberkeit in den Schulen zu verbessern. Allein für die Erstausstattung des Personals wären nach Expertenmeinung 36.000 Euro nötig.

Die Gemeinde Hüllhorst denkt darüber nach, eigene Reinigungskräfte einzustellen, um die Sauberkeit in den Schulen zu verbessern. Allein für die Erstausstattung des Personals wären nach Expertenmeinung 36.000 Euro nötig. Foto: dpa 

Etwa eine Stunde lang informierten Prokurist Jörg Bönning und Desinfektor Karl-Joachim Frieg von der Firma Facility Care aus Münster den Bauausschuss über Vor- und Nachteile der Eigenreinigung. Die Verwaltung hatte die Firma mit einer Expertise beauftragt, weil es im vergangenen Jahr viel Verdruss über Schmutz und Dreck in den Schulen gegeben hatte.

1,50 Euro über dem Mindestlohn 

Für Klagen hatten unter anderem die hygienischen Zustände in der Gesamtschule gesorgt. Daraufhin hatte Jürgen Friese (Grüne) den Vorschlag gemacht, dort keinen Dienstleister mehr mit der Reinigung zu beauftragen, sondern eigene Putzkräfte einzustellen – trotz höherer Kosten. Nach Einschätzung von Friese würden sich die Mehrkosten rentieren, denn die Motivation des gemeindeeigenen Personals sei höher als die von Reinigungskräften, die nur »Dumpinglöhne« erhielten.

Diesen Aspekt wussten die Experten am Mittwoch zumindest teilweise zu entkräften. Tatsächlich würden Dienstleister die Arbeit ihrer Putzkräfte mit einem Lohn vergüten, der um 1,50 Euro pro Stunde über dem Mindestlohn läge. »Sonst ist das Personal gar nicht zu halten«, sagte Bönning.

Equipment und Schulung 

Der Experte erläuterte, dass die Gemeinde für die Gesamtschule, die Ilex-Halle und die vier Grundschulen insgesamt 16 Reinigungskräfte einstellen müsste. Jede von ihnen müsste nicht nur mit dem entsprechenden Equipment ausgestattet sein, sondern von einer Fachkraft speziell geschult werden. »Sie gründen im Prinzip ein kleines Reinigungsunternehmen«, sagte Bönning.

Um dieses »Unternehmen« müsse sich die Verwaltung dann auch entsprechend kümmern. Das erfordere Aufmerksamkeit, Zeit und Geld. Allein das Investitionsvolumen für Waschmaschinen, Staubsauger, Wischmobs und Lappen (verschiedene Farben, je nach Einsatzbedarf) bezifferte Bönning auf 36.000 Euro. Und das sei nur die Erstausstattung.

Experten raten von Eigenreinigung ab

Gleichzeitig müsse die Verwaltung eine Fachkraft in Sachen Reinigung engagieren, um das Projekt mit dem nötigen Know-how begleiten zu können. Dieses Expertenwissen würde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus, so Bönning, »bei allem Respekt fehlen«.

Als Vorteile der Eigenreinigung blieben unter dem Strich nur die womöglich verbesserte Qualität und die Weisungsbefugnis. Mit Blick auf die Kosten, die bei der Eigenreinigung um etwa 30 Prozent höher als bei der Fremdreinigung liegen, empfahlen die Fachleute eindringlich, auch weiterhin einen professionellen Dienstleister mit der Reinigung zu beauftragen.

Auf Probleme hinweisen 

Das gebe Planungssicherheit, zumal auch die Zeit dränge. Bereits zum 1. Oktober müsste das gemeindeeigene Personal per Stellenanzeige gefunden und geschult sein. Bönning und Frieg rieten daher zur Wahl eines Dienstleisters und dazu, diesen Anbieter auf die Problembereiche in den Schulen explizit hinzuweisen.

Die Mitglieder des Ausschusses haben nun Zeit zur Beratung in den Fraktionen. In Stellungnahmen klang durch, dass eher Abstand vom Projekt »Eigenreinigung« genommen wird. Michael Kasche (CDU) äußerte die Sorge, dass die veranschlagten 36.000 Euro für die Erstausstattung zu knapp bemessen sein könnten: »Wenn man keine Geräte von Aldi oder Lidl nimmt, wird das teurer.«

Kommentar

Der Gedanke hatte durchaus Charme: Die Gemeinde stellt Personal aus Hüllhorst und Umgebung ein. Diese Kräfte säubern anschließend Toiletten und Klassenräume, in denen sie womöglich selbst die Schulbank gedrückt haben. Natürlich wäre da etwas mehr Diensteifer bei der Reinigung zu vermuten, als bei einer ortsfremden Putzfrau.

Schade nur, dass der Vortrag der Experten keinen Platz für Sozialromantik ließ. Es ging um Aufwand und Kosten. Und das waren gute Argumente gegen die Eigenreinigung. Unter dem Strich blieb zudem der Eindruck, dass die Gebäudereinigung eine Wissenschaft für sich ist, von der der Laie besser die Finger lässt. Für die Befürworter der Umstellung sieht es nun nicht gut aus. Es bräuchte schon große Anstrengungen und viel Geld, um das Projekt umzusetzen. Ob sich dafür eine Mehrheit findet?